In der Corona-Krise machen auch die Jüngsten online Sport.

Fortschritt dank Stillstand

Redakteur Christian Dünger von der Offenbach Post schreibt über die Digitalisierung in Sportvereinen.

Kreativität in der Krise: Bei den meisten Klubs herrscht zwar Wettkampfpause, es tut sich allerdings dennoch einiges. Die Digitalisierung wird vielerorts forciert. Das Angebot ist nicht nur bei höherklassigen Vereinen äußerst vielfältig.

Offenbach – Not macht auch bei der Handball-Abteilung der TSG Bürgel erfinderisch. Weil pandemie-bedingt kein gemeinsames Üben möglich ist, wird Online-Training angeboten. Zuerst waren „die ganz Kleinen“ dran, wie Boris Wolf vom Jugendleiter-Team berichtet. Das kam gut an (35 F- bis D-Jugendliche nahmen teil) und soll daher ausgebaut werden. „Wir wollen unsere Leute nicht an andere Sparten verlieren“, erklärt Wolf, der selbst einen nicht unerheblichen Anteil daran hat, dass diese Alternative zur realen Übungseinheit überhaupt möglich ist. „Boris ist ein Tausendsassa. Er hat sich im Internet informiert und es umgesetzt“, lobt Sven Lenort vom Vorstand den Mann, der Video bei der TSG auf ein anderes Level gehoben hat.

Es ist ein positiver Aspekt der Corona-Krise, dass jüngere Ehrenamtler, die der Generation der Digital Natives angehören, ihr Wissen eher einbringen können. Wolf beispielsweise ist weder als Spieler noch als Schiedsrichterwart eingespannt, kann daher pro Wochen bis zu acht Stunden investieren, um die Abteilung fit für die Zukunft zu machen.

„Die Digitalisierung wurde bei uns durch die Corona-Krise auf jeden Fall deutlich beschleunigt“
Sven Lenort, TSG-Vorstand

„Die Digitalisierung wurde bei uns durch die Corona-Krise auf jeden Fall deutlich beschleunigt“, meint Lenort. In der Oberliga, in der die Bürgeler Frauen und Männer aktiv sind, müssen die Vereine ihr Spiele zwar ohnehin filmen, sodass die Ausrüstung vorhanden war. Als feststand, dass keine Zuschauer zugelassen werden, reifte der Gedanke, „das Setup zu erweitern“, so Lenort. „Wir wollten die Spiele nicht nur filmen, sondern einen Livestream anbieten. Es gab etwas externe Hilfe, den Rest hat Boris gemacht.“ Der Probelauf war erfolgreich, doch dann kam die Mitteilung, dass vorerst nicht mehr gespielt wird. Am Video-Livestream soll dennoch festhalten werden, ebenso am Online-Ticketing-System. Alle Plätze in der Halle sind nun nummeriert, sodass bei Spielen vor Zuschauern zur Not Kontaktketten nachverfolgt werden könnten.

Digitalisierung wird bei der TSG Bürgel insgesamt groß geschrieben. Der Verein betreibt auf Youtube einen Kanal, will sich mit „TSG-TV“ als „starke Marke in und um Offenbach etablieren“, wie es heißt. Dort werden unter anderem Sponsoren vorgestellt - oder ältere Aktive zeigen den jüngeren Übungen zum Nachmachen. Auch eine App für das Smartphone gibt es. Lenort: „Dort ist der Mitgliedsausweis hinterlegt und man erhält Nachrichten, falls Spielberichte online sind oder Kurse ausfallen.“

Während die TSG Bürgel beim Thema Video-Livestream Neuland betrat, konnten die Drittligisten HSG Rodgau Nieder-Roden und HSG Hanau hier bereits auf reichlich Erfahrung zurückgreifen. In ihrer Spielklasse sind Übertragungen Pflicht. Und so zeigen die Grimmstädter Teile des Trainings der ersten Mannschaft sowie des A-Jugend-Bundesliga-Teams (zählen zum Leistungssport) live im Internet. Der Sport werde immer digitaler, heißt es in der Pressemitteilung des Vereins. Der Trainer ist mit einem Mikrofon ausgestattet, sodass die Jugendspieler, die corona-bedingt zu Hause bleiben müssen, trotzdem Trainingserlebnisse haben und die Anweisungen verstehen können. Zu Beginn des Jahres wurde unter der Leitung von Markus Breidenbach, der bei der HSG Hanau normalerweise mannschaftsübergreifend das Torwarttraining koordiniert, sogar ein Online-Neujahrsempfang für die Jugendabteilung veranstaltet - mit rund 100 Teilnehmern. Dabei wurden mehrere Plattformen und Programme getestet. „Es war uns wichtig, unseren Jugendlichen die Möglichkeiten der digitalen Zusammenarbeit näherzubringen. Wir wollten sie außerdem ins Programm mit einbeziehen, sodass sie aktiv mitmachen konnten“, sagt Breidenbach.

Aber auch in anderen Bereichen forciert die HSG Hanau die Digitalisierung des Vereins. So soll ein professionelles Kundenmanagement-System die Excel-Listen ersetzen. „Da wir weiter wachsen wollen und daher die Aufgaben sicher nicht weniger werden, ist das ein wichtiger Entwicklungsschritt bei der Betreuung unserer Fans, Partner und Sponsoren“, betont der Vorsitzende Uwe Just. Um noch mehr über den Verein zu informieren und weitere Einblicke zu geben, gibt es zudem einen Podcast („Blauer Block“). Bei den „Baggerseepiraten“ aus Rodgau heißt das Audio-Angebot „HSG-Podcast“. Spieler Philipp Keller hat es ins Leben gerufen, er moderiert auch die auf Youtube ausgestrahlten Folgen. Noch so ein Tausendsassa.

Von Christian Düncher, Offenbach Post

 

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