"Man muss den Menschen einen Spiegel vorhalten"

Silvester Neidhart, Referent für Functional Fitness beim Schwäbischen Turnerbund, möchte die Menschen wieder zu ihrer alten Form zurückbringen. Hört sich im ersten Moment komisch an, doch hört man Neidhardt zu, merkt man ganz schnell, dass das der richtige Ansatz ist.

„Die Beweglichkeit und Haltung der Menschen ist immer mehr eingeschränkt. Wir sitzen zu viel und starren in viereckige Bildschirme. Unser Gesäß wird nicht mehr richtig genutzt und führt damit gleichzeitig zu Haltungsschäden, die wiederum diverse Folgeschäden mit sich bringen", sagt der ehemalige Nationaltrainer im Ski Alpin und ergänzt „selbst Profisportler, die sehr viel trainieren, sitzen in ihrer Freizeit zu viel und trainieren zusätzlich oft nicht richtig. Als Folge sind auch sie in ihren Bewegungen eingeschränkt." Der Mentaltrainer möchte den Menschen einen Spiegel vorhalten und ihnen zeigen, was sie ihrem Körper mit ihrem Verhalten antun. Damit möchte er bei den Menschen eine Bereitschaft wecken, offen zu sein: „Offen für etwas Altes, für die Natürlichkeit, denn früher hat der Mensch seinen gesamten Bewegungsradius ausgenutzt." Diese Ganzheitlichkeit möchte Neidhardt mit qualitativ schlauem Training wiederherstellen. Nicht zuletzt durch das Wecken von dreidimensionalem Denken.

Vor circa 15 Jahren ist Neidhardt auf Functional Fitness aufmerksam geworden. Damals durfte er selbst von Experten lernen und sich bis heute viel über die ganzheitliche Trainingsmethode des Functional Fitness aneignen. „Es war dieser Wow-Effekt. Zu sehen, wie schwer man sich mit den leichtesten Übungen, wie zum Beispiel einer einfachen Hocke tut und wie leicht man diese Einschränkungen durch funktionelles, ganzheitliches und dreidimensionales Training wieder verbessern kann, hat mich dazu gebracht umzudenken und das Training umzustellen." Genau diese Aspekte sind es, die für Neidhardt zu einem optimalen Training gehören: Funktionalität, Ganzheitlichkeit und Dreidimensionalität. Das bedeutet, dass im Training nicht nur ein Muskel in einer Ebene trainiert wird, wie zum Beispiel im Fitness-Studio an Geräten, sondern der gesamte Körper in allen drei Bewegungsebenen. Bevor jedoch mit dem Training begonnen werden kann, sollte seiner Meinung nach immer zuerst der Ist-Zustand analysiert werden. Diese Analyse hilft dabei, die Schwachstellen festzustellen, um anschließend das Training individuell auf den Athleten auszurichten.

Auf die Bedürfnisse des Athleten einzugehen ist eine wichtige Aufgabe, die es als Trainer einzuhalten gilt. Außerdem muss dem Trainierenden verständlich vermittelt werden worauf es ankommt, damit dieser auch versteht wieso er genau auf diese Weise trainiert. Der ehemalige Sportlehrer ergänzt: „Als Trainer muss man ein gewisses Grundverständnis mitbringen. Einerseits ein Grundverständnis für Biomechanik, das heißt, zu wissen, wie Bewegungen im Optimalfall ablaufen und wie man sie ausführen sollte. Andererseits ein Grundverständnis über die Medizin des Menschen. Dazu gehört beispielsweise auch zu wissen, wie beweglich einzelne Gelenke sind und zu erkennen, wenn Gelenkwinkel nicht mehr voll genutzt werden können". Schrittweises heranführen an funktionelles Training lautet seine Devise. Dabei steht für den ehemaligen Skirennläufer Mobilität vor Stabilität. „Bevor man sich um die Kraft kümmert, sollte man sich zuerst um die Mobilität der Menschen kümmern und ihre ursprüngliche Beweglichkeit wiederherstellen. Wenn man es schafft den gesamten Bewegungsradius wieder zu nutzen, kann man sich anschließend um die Stabilität kümmern. Es ist die Aufgabe des Trainers einen schlauen Trainingsplan zusammenzustellen, der genau das schafft." Für Silvester Neidhardt gibt es nämlich nichts schöneres, als den Fortschritt zu sehen, den Menschen mit seiner Hilfe machen.

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