„Den Gedanken des Vereins modernisieren"

Peter Martin Thomas ist einer der Initiatoren und der heutige Leiter der SINUS:akademie sowie Co-Autor der vergangenen SINUS-Jugendstudien. Seit mehr als 20 Jahren begleitet und berät er Organisationen und Unternehmen zu Fragestellungen rund um junge Menschen und andere Zielgruppen der Zukunft. Wir haben mit ihm über die Zukunft des Sportvereins gesprochen.

„‚Wissen was Menschen bewegt‘ ist der Leitspruch der SINUS:Akademie. Können Sie diese Aussage genauer erläutern?
„Diese Aussage wurde von einem der Gründer des SINUS-Instituts, Bodo Flaig, getätigt und beschreibt die Perspektive aus der qualitativen Sozialforschung, die besagt: Wenn wir verstehen, was Menschen für Motive haben, wenn wir wissen, was sie antreibt, dann können wir sie auch bewegen. Diese Frage lässt sich auf alle Unternehmen und Organisationen anwenden."

Sie beraten seit mehr als 20 Jahren Organisationen und Unternehmen zu Fragestellungen rund um Themen der Zukunft. Was können Sie aus diesen 20 Jahren Erfahrung weitergeben?
„Definitiv können wirtschaftliche Unternehmen nicht mit gemeinnützigen Unternehmen verglichen werden. Ein Unternehmen möchte wirtschaftlich erfolgreich sein, ein Sportverein möchte das Gemeinwohl und eine langfristige Bindung zu seinen Mitgliedern. Die Erfahrung zeigt aber in beiden Fällen, dass man immer weniger von der Vergangenheit auf die Zukunft schließen kann und deshalb schneller reagieren muss."

Sie sprechen von dem Verhältnis zwischen Menschen und Trends. Bedeutet ihre Aussage, dass man schneller auf Trends reagieren muss? Können Sie dieses „Verhältnis" genauer beschreiben?
„Trends müssen nicht immer neu sein. Sogenannte Playlists werden heutzutage gerne auf digitalenKommunikationsplattformen wie Spotify oder Youtube stolz von den Nutzern präsentiert. Wirkennen das von früher, das war das Mix-Tape. Trends kommen also nicht aus dem Nichts, sie sindstattdessen Dinge, die sich schon länger in unserer Gesellschaft abgezeichnet haben. Nun geht es aber darum abzuwägen, ob ein Trend kurz- oder langfristig ist und wie diese dann umsetzbar sind. Zudem erzeugt jeder Trend einen Gegentrend."

Wie spiegelt sich dieses „Verhältnis" auf den klassischen Sport bzw. den Sportverein wider?
„Als Sportverein muss ich aufmerksam sein und die Trends beobachten und mir Gedanken zur Umsetzung machen. Die Ressourcen im Sportverein sind begrenzt. Wichtig ist dabei, abzuwägen. Ist es ein kurzfristiger Trend, den wir als Verein vernachlässigen können oder ein langfristiger, mit dem wir uns beschäftigen sollten?"

Wir beschäftigen uns als Sportverband tagtäglich mit der Zukunft unserer Vereine. Wie wird sich Ihrer Meinung nach der Sportverein in der Zukunft verändern? Was muss der Verein tun, um weiterhin attraktiv für Menschen zu sein?
„Die aktuelle Welt ist extrem ‚beweglich‘ sowie individualisiert. Ein Sportverein muss sich mit seinen Eigenschaften und mit seinen Angeboten an die unterschiedlichsten Bedürfnisse der Mitglieder anpassen. Als Sportverein benötige ich eine Strategie, die mehrere Optionen offenhält. Schaffen sie als Verein Optionen für ihre Mitglieder und stellen sie sich beispielsweise folgende Fragen: Kann der Verein projektorientierte Aufgaben vergeben? Gibt es Entlastung bei administrativen Aufgaben? Können Kurs-Phasen unter mehreren Übungsleitern aufgeteilt werden?

Wie bereits erwähnt, erzeugt jeder Trend einen Gegentrend. Beispielsweise steigt im Gegenzug zur hohen Individualisierung das Bedürfnis nach Gemeinschaft.Dabei bekommt es ein modernes Gewand. Dieser Gegentrend ist eine Chance für Vereine."

Welche Herausforderungen sehen Sie für Sportvereine in der Zukunft?
„Sportvereine müssen immer mehr mit privater Konkurrenz rechnen und sich auf diese einstellen. Zudem drängen sich moderne Sportarten in den Vordergrund. Auch das Verhältnis der Menschen zur Zeit wird sich weiterhin verändern. Wir entwickeln uns zu einer beschleunigten Gesellschaft, viele Menschen wollen mehr Erlebniseinheiten in weniger Zeit unterbringen. Als Verein kann man hier andocken und einen Gegenimpuls setzen. Gemeinschaft und Zugehörigkeitsgefühl sind dabei wichtig, auch in der Zukunft. Modernisieren sie die Gedanken des Vereins. Ein Verein muss aufhören, in ‚entweder oder‘ zu denken, sondern in ‚sowohl als auch‘. Genauer gesagt: Wir sind Verein und wir sind Netzwerk; wir sind eine Gemeinschaft, sind aber auch offen nach außen. Ganz nach dem Motto: Wer weiß, was Menschen bewegt, kann sie auch bewegen."

Save the date: Vom 25. bis zum 27. Oktober 2019 findet der Sportkongress Stuttgart statt. Gastredner wird unter anderem Peter Martin Thomas sein. Sichert euch bereits jetzt eure Ausschreibung!

Nehmt an einem Zukunftsworkshop teil, um euch aktiv mit der Gestaltung eures Vereins in der Zukunft auseinander zu setzen. Alle Infos zu den Workshops findet ihr hier.

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